Zurück Persönliche Beratung Wie möchten Sie beraten werden? Online Optiker vor Ort Kontaktformular

Lilium Air Mobility Jets – Startup Interview mit CEO Daniel Wiegand

Carbon Start Up Gründer von Lilium München im Interview mit Kerl Eyewear

Mit 36 Jahren ist Daniel Wiegand Gründer und CEO eines der erfolgreichsten Startups unserer Zeit. Das 2015 gegründete Urban-Air-Mobility-Unternehmen Lilium arbeitet an senkrecht startenden Jets (eVTOLs), die den Individualverkehr revolutionieren sollen. Heute hat es mehr als 650 Mitarbeiter und steht mit einer  Bewertung von 3,3 Mrd. USD kurz vor seinem IPO an die US-Techbörse NASDAQ. Bereits in wenigen Jahren soll das erste elektrisch betriebene Lufttaxi von Lilium den Betrieb aufnehmen.

Daniel Wiegand im Interview mit Kerl Eyewear

Daniel Wiegand ist nicht nur ein begnadeter Ingenieur und Visionär, sondern auch Design-Fan und überzeugter Träger einer Kerl Carbon Sonnenbrille. Wir hatten die Gelegenheit, mit ihm über seinen Erfolg, spannende Technologien der Zukunft und gutes Design zu sprechen. Außerdem hat er uns verraten, was ihn an Carbon fasziniert.

 

 

Daniel, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Du hast es als Gründer sehr schnell sehr weit gebracht. Was ist Erfolg für dich?

 

Erfolg ist einmal, wenn du dir etwas Besonderes vornimmst und es funktioniert. Für mich persönlich definiert sich Erfolg aber nicht unbedingt über dieses Funktionieren. Wichtiger ist mir, dass ich leuchtende Augen bekomme, wenn ich an etwas denke.

 

Worin bestand die größte Herausforderung, also der größte Stein, der dir im Weg lag?

 

Im Grunde genommen sind es die gleichen komplexen Herausforderungen wie bei allen Hardware-Startups. Die Finanzierung ist zum Beispiel immer ein großes Thema.

Ein einzelner Stein fällt mir nicht ein. Du löst eher in einer Art Marathon tausend Probleme über viele Jahre hinweg. Ich denke die Herausforderung liegt darin, diesen Marathon durchzuhalten. Wenn du 6, 8 oder 10 Jahre an so einem Projekt arbeitest, musst du alles daran anpassen, dein Privatleben, deine Erholung, deine Motivation.

Das Spezielle an der Luftfahrt ist: Du arbeitest jahrelang an etwas, das sich am Boden befindet. Dann gibt es diesen einen Moment, in dem es abhebt. Das schweißt dich als Team unglaublich zusammen.

Daniel Wiegand, CEO Lilium

Welche Technologien, glaubst du, werden in den nächsten 20 bis 50 Jahren dein Leben verändern?

 

Ich glaube, dass Technologien, die das Thema Nachhaltigkeit adressieren, den höchsten Stellenwert in unserem Leben bekommen werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass man das Klimaproblem, aber auch andere Umweltprobleme nur durch Technologie lösen kann. Verzicht und „auf-die-Bäume-gehen“ sind für mich keine vernünftige Option für eine Zivilisation. Wir müssen und können das Problem technologisch lösen und die zivilisatorischen Errungenschaften erhalten. Mit so einer Mission können wir auch anderen Ländern, in denen Technologie weniger verfügbar ist, besser helfen.

Ich rechne deshalb auch damit, dass sich in der Luft- und Raumfahrt viel tun wird. CO2-freie und leise Fluggeräte wie unser Lilium Jet werden kommen und zu einer insgesamt nachhaltigeren Luftfahrt beitragen.

Aber auch jenseits von Sustainability-Themen sehe ich große technologische Veränderungen vor uns. Ich bin gespannt, was wir lernen und erfahren, wenn der Mensch wieder auf den Mond fliegt, dort Stationen baut und dann Richtung Mars weiterfliegt. Und auch auf der Erde stehen wir am Beginn ganz neuer Technologie. Ich nenne hier nur die künstliche Intelligenz. Sie wird in der Medizin und in vielen Forschungsbereichen ein Segen sein, auch in der Luftfahrt. Aber irgendwann werden wir uns damit auseinandersetzen müssen, dass es etwas gibt, was intelligenter ist als wir. Das wird sozial viel verändern und vielleicht Gefahren hervorbringen, die wir heute nur erahnen.

 

 

Welche Rolle spielt Design in deinem Leben?

 

Ich bin durch und durch Ingenieur. Aber gutes Design begeistert mich. Und welche Bedeutung Design hat, wissen wir seit Apple und vorher auch schon von vielen Automarken. Meine Mitgründer und ich haben technische Entscheidungen bei Lilium von Anfang an mit Design im Hinterkopf getroffen. Wir sind vielleicht der erste Flugzeughersteller, bei dem ein Design-Team nicht die Entwicklungsmannschaft, sondern ein Team für das Produktdesign ist. Wir wollen Produkte schaffen, in deren Nähe man sich als Mensch gerne begibt, die man angenehm und ästhetisch findet und mit denen man sich selbst gerne in Verbindung bringt.
Unsere Website zeigt das meiner Meinung nach auch. Und wer sich die Fotos unserer Demonstratoren ansieht, dürfte ebenfalls unsere Leidenschaft für Design erkennen. Nehmen Sie zum Beispiel die Ummantelung unserer 36 Triebwerke. Sie reduziert eben nicht nur den Lärm, sie sieht auch einfach gut aus und gibt unserem Jet ein ganz besonderes Flügel-Design.

 

 

Welche Designobjekte spielen in deinem Leben eine große Rolle?

 

Die größte Rolle spielt unser Flugzeug. Dann kommen die Klassiker: Fahrzeuge, Wohnungseinrichtung, Einrichtungen in Restaurants. Lampen sind immer sehr interessant. In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren viel getan. Brillen und Alltagsgegenstände bis hin zum Laptop und Handy.

 

Für mich liegen Design und Technologie sehr nahe beieinander. Denn fast alles, was wir technisch machen, ist für den Menschen geschaffen und hat ein Interface zu Menschen.

Daniel Wiegand, CEO Lilium
Daniel Wiegand mit Carbon Sonnenbrille von Kerl Eyewear

Daniel Wiegand trägt unsere Kerl Eyewear High-Performance Carbon Sonnenbrille.

CARB-009 SUN raw night icon farb edition raw night

Was verbindest du mit dem Werkstoff Carbon?

 

Mit Carbon verbinde ich zunächst natürlich Leichtbau. Aber was mich daran immer besonders fasziniert hat, ist das First Principles Thinking, das diesem Werkstoff zu eigen ist. Ich bin großer Fan von First Principles Engineering, also davon, dass man technische Entscheidungen oder Design-Lösungen an der Physik ausrichtet. Dass man sie nicht darauf gründet, dass etwas schon immer so war, sondern dass man „tief hineingeht“ und sich die Frage stellt: Was determiniert zum Beispiel, warum etwas leicht ist oder warum etwas so aussieht, wie es aussieht? 

Das Tolle am Carbon ist, dass man die Fasern so ausrichten kann, dass sie diesem physikalischen Limit tatsächlich folgen. Dabei ist die einzelne Faser einer der leistungsfähigsten Werkstoffe überhaupt, die wir kennen.

Mit einem anisotropen Werkstoff wie dem Faserverbund kann man sich intellektuell sowie technisch austoben und es sieht einfach gut aus. Außerdem hat es etwas von Magie, wenn die Fasern durchschimmern. Dann sieht man sogar ein wenig die Gedanken, die der Designer oder der Ingenieur hatte, während er das Produkt entwickelt hat.

 

Gibt es Podcasts, die du gerne hörst?

 

Sehr selten. Ich bin lieber aktiv tätig, ich kann auch schlecht Bücher lesen, weil ich dabei zu unruhig werde. Stattdessen rede ich lieber mit Menschen, wenn ich Inspiration brauche, treibe Sport oder unternehme etwas draußen.

 

Gibt es trotzdem wichtige Bücher in deinem Leben? Insbesondere welche, die du Gründern empfiehlst?

 

Ja, es gibt ein paar Startup-Bücher, die ich sehr gut finde, zum Beispiel den Klassiker “The Hard Thing About Hard Things“. Oder, was ich auch sehr gut fand ist „The Culture Code“. Da geht es darum, wie man für Teams eine Umgebung schafft, in der sie extrem gut zusammenarbeiten.

Bei vielen Büchern lese ich aber eher eine Zusammenfassung, weil ich zu unruhig bin mir dafür 10 Stunden lang die Zeit zu nehmen.

 

Bist du eher Teamplayer oder Solokünstler?

 

Teamplayer. Ich kann bestimmte Dinge sehr gut alleine durcharbeiten, aber ich brauche ein Team zur Inspiration und für die Energie.

 

Wann kommen dir die besten Ideen?

 

Entweder im Gespräch mit anderen oder tatsächlich in der Dusche. Meine Freundin sagt, ich wäre ein Träumer unter der Dusche, weil mir manchmal spannende Gedanken kommen und ich 10 oder 15 Minuten dusche, ohne es zu merken.

 

Hält dich die Verantwortung, die du bei Lilium trägst, manchmal nachts wach?

 

Ja, das tut sie manchmal. Je größer das Unternehmen wird, desto mehr muss man sich mit dieser Verantwortung auseinandersetzen. Aber ich denke, es sollte nicht dazu führen, dass man keine Risiken mehr eingeht oder nicht mehr unternehmerisch handelt. Dann verliert man das, was ein Startup ausmacht. 

 

Wir sind bei Kerl Eyewear immer daran interessiert spannende Menschen und Kunden zu treffen. Wenn du frei wählen könntest, wen würdest du uns als nächsten Interviewpartner vorschlagen?

 

Ich würde Elon Musk vorschlagen. Das wäre sicher sehr spannend.
Oder auch meine Mitgründer, speziell Patrick Nathen, mit seinem großen Faible für Design. Der hat wahrscheinlich 80 Paar Sneakers oder sowas zu Hause. 

 

Daniel, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Fotocredit Bild 1 und Video: Lilium